Neurosige Zeiten in der Psychiatrie Friedrichsfeld

Sonntag, Januar 12, 2020
Eigentlich könnte alles so schön sein. In einer Wohngruppe der Psychiatrie Friedrichsfeld leben der zwangsneurotische Finanzbeamte Hans (Gerd Gohlke), der Soziophob Willi (Marcel Jarmuty), die sexsüchtige Hotelerbin Agnes Adolon (Viola Doll) und die Stalkerin Marianne (Karin Lutz), die unsterblich in den Volksmusikanten Hardi Hammer (Peter Manges) verliebt ist, mehr oder weniger friedlich zusammen. Wäre da nicht die ehrgeizige und strenge Psychiaterin Dr. Dr. Ilse Schanz (Natascha Siesz), die der Wohngemeinschaft das Leben schwer macht und zudem mit ihrer Auflösung droht. Doch das Unheil naht in Person von Cécile Adolon (Irmgard Kahle), der Mutter von Agnes, die ihre Tochter besuchen möchte und eigentlich annimmt, sie wohne in einer Villa mit Personal und eben nicht in einer WG in der Klapse.

Was also tun? Kurzerhand müssen die „Insassen“ zu „normalen“ Menschen umfunktioniert werden. Kompliziert wird die ganze Sache noch durch die Tupperberaterin Herta (Jutta Preißendörfer), die in der WG auftaucht und für die Mutter von Agnes gehalten wird. Willi schlägt sie nämlich versehentlich nieder und muss jetzt die vermeintliche Leiche vor Agnes verstecken. Die jedoch entdeckt die „Leiche“ und stellt fest, dass es gar nicht ihre Mutter ist. Schließlich taucht Cecile Adolon auf und schließt ihre Tochter herzlich in die Arme. Vor ihr wird die Leiche als schlafende Kosmetikerin ausgegeben und die WG-Mitbewohner als Hausangestellte. Als dann noch Beschäftigungstherapeut Rolf (Peter Großmann) zur  Bastelstunde bittet, spielen Agnes, Willi und Marianne ihm ein „Kasperle-Theater“ vor. Und dies alles, um auch vor ihm die Leiche zu verstecken.  Herta erwacht schließlich aus dem „Tiefschlaf“ und verteidigt sich mit dem Tupper-Raspel-Fix gegen die „Irren-Bande“. Am Ende ist sie froh, dieses Irrenhaus heil verlassen zu können. Und dann folgt der Auftritt von Hardi Hammer. Der „Odenwald Rock´n-Roller“ kommt mit einem Pressefotografen (Peter Großmann in einer Doppelrolle) um die Story „Hardi, eine Nacht bei seiner Stalkerin“ in der Bildzeitung zu vermarkten. Marianne, über den Besuch sichtlich überrascht, stellt am Ende fest, dass sie und Hardi doch nur „gute Freunde“ bleiben wollen.  Als sich dann noch herausstellt, dass die feine Dame Cécile, die in dem ganzen Durcheinander zwischenzeitlich sogar in einer Zwangsjacke steckte,  im Berliner Hotel  Adolon auch mit Hardi ein Verhältnis hatte und auch sonst „nichts anbrennen lies“, gesteht sie ihrer Tochter Agnes, dass auch sie sexsüchtig ist und gehofft hat, dass ihre Tochter nicht das gleiche Schicksal erleidet. Zum Schluss wendet sich natürlich alles zum Guten: Frau Dr. Dr. Schanz zieht ihre Anzeige zurück, Cecile und Agnes sind ein Herz und eine Seele und Hardi bietet der Wohngruppe an, gemeinsam in seine Finka nach Mallorca einzuziehen. Neben den Darstellern auf der Bühne waren am Erfolg des Dreiakters aus der Feder von Winnie Abel aber auch die Souffleuse Erika Kappes sowie die beiden Bühnentechniker Dieter Preißendörfer und Joachim Fritsch beteiligt. Ihnen allen galt der lang anhaltende Applaus des begeisterten Publikums nach jeder der insgesamt fünf Aufführungen.

Marion Schatz


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